Kanton Bern: Zäme sicher ? sicher zäme!
publiziert am 11.11.2011
Die Kantonspolizei Bern hat eine neue Basis für die Zusammenarbeit mit den Gemeinden erarbeitet. Diese stützt sich auch auf eine Bevölkerungsumfrage, welche teils überraschende Ergebnisse zu Tage brachte, wie die die Kantonspolizei Bern schildert.
Fazit: Sicherheit könne nur in Zusammenarbeit aller erbracht werden, wie die Verantwortlichen am Mittwoch an einem Point de Presse erklärten.
?Wir wollen den Kanton Bern zu einem der sichersten Kantone der Schweiz machen?, sagte der Kommandant der Kantonspolizei Bern, Stefan Blättler, anlässlich eines Point de Presse am Mittwoch in Bern. ?Das sei unsere Vision, daraufhin arbeiten wir, jeden Tag.? Dabei zähle man auf die Partnerschaft - mit der Bevölkerung und mit anderen Organisationen.
Einen besonderen Stellenwert geniesse dabei aber vor allem auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden, sagte Blättler. ?Denn die Sicherheit fängt dort an, wo die Menschen leben und wo sie arbeiten, im Lokalen.? Die Gemeinden seien es schliesslich, welche für die Sicherheit in ihrem Gebiet verantwortlich sind.
?Wir erbringen für sie eine Dienstleistung?, sagte Blättler.
Diese Dienstleistung wurde nun auf ein neues Fundament gestellt. Denn mit der Schaffung der Einheitspolizei und der damit verbundenen Integration der Gemeindepolizeikorps in die Kantonspolizei Bern waren dieser zusätzliche sicherheits- und verkehrspolizeiliche Aufgaben übertragen worden.
Um den veränderten Rahmenbedingungen gerecht zu werden, wurde ein neues Konzept ?Lokale Sicherheit? erarbeitet. Dabei wurden auch Erkenntnisse von Polizeiorganisationen anderer Länder berücksichtigt.
Als Resultat liegen nun den veränderten Bedingungen angepasste Leitlinien vor, die Rollen und Zuständigkeiten seien definiert und es stehen einheitliche Instrumente zur Verfügung.
Sicherheitsdiagnose als neue Grundlage
Anlässlich der Schweiz weiten Studie zur Kriminalität und Opfererfahrung der Bevölkerung wurden im Kanton Bern im Frühling erstmals kommunale Vertiefungsstudien durchgeführt, welche wichtige Hinweise betreffend das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung gaben. Gestützt auf die Resultate der repräsentativen Bevölkerungsbefragung, der polizeilichen Kriminalstatistik und weitere Grundlagen, erarbeitete die Kantonspolizei für jede sogenannte Ressourcengemeinde (Erklärung siehe unten) eine Sicherheitsdiagnose.
Die Kantonspolizei beabsichtigt künftig alle drei bis fünf Jahre solche zu erstellen. Zusätzlich bietet die Kantonspolizei Bern diesen Gemeinden an, gestützt auf die Sicherheitsdiagnose gemeinsam ein Sicherheitskonzept für die nächsten drei bis fünf Jahre auszuarbeiten.
Die aus der Sicherheitsdiagnose und dem Sicherheitskonzept gewonnen Erkenntnisse werden in die schon bisher in enger Absprache mit den Gemeinden erstellte Jahresplanung einfliessen.
Europäischer Trend bis in die Gemeinden erkennbar
Wie bereits in der gesamtschweizerischen Analyse muss auch für die einzelnen Gemeinden im Kanton Bern eine Zunahme der Gewaltdelikte festgestellt werden. Nach längerer Stabilisierung habe auch die Zahl der Einbrüche wieder stark zugenommen.
?Der Schweiz weite Trend der Anpassung an das europäische Umfeld zeigt sich bis in die einzelnen Gemeinden?, erklärte Professor Martin Killias vom Kriminologischen Institut der Universität Zürich, welches für die Umfrage verantwortlich zeichnet. Bei diesen Straftaten zeigen sich zum Teil grosse Unterschiede zwischen den Gemeinden.
Bei den Einbrüchen spielt die geografische Lage der Gemeinden eine zentrale Rolle, bei ?Strassendelikten? wie Raub und Tätlichkeiten/Körperverletzung spiegeln sich das Ausgehverhalten und die wachsende Mobilität der Bevölkerung wider, erklärte Killias. Zu den Ursachen gehören weniger die Grösse einer Gemeinde als deren Zentrumsfunktion.
Die Verlagerung der sichtbaren Polizeikräfte hin zu zeitlich und örtlichen Brennpunkten werde von der Bevölkerung sehr wohl wahrgenommen.
So haben junge Befragte ? welche sich eben hauptsächlich an solchen Orten bewegen ? mehrheitlich eine Zunahme der Polizeipräsenz wahrgenommen. Ältere Bevölkerungsschichten machten aber eher eine abnehmende Polizeipräsenz aus.
Im Kanton Bern bewerten durchschnittlich 83,9 Prozent die Arbeit der Polizei als gut bis sehr gut.
Das seien weniger als im schweizerischen Schnitt (88,4 Prozent). ?Für uns sei klar, dass wir in diesem Punkt besser werden müssen?, sagte Kommandant Blättler.
Er gab aber auch zu bedenken, dass sich mit der Integration der Gemeindepolizeien die Polizeilandschaft im Kanton grundlegend verändert hat. Trotz dieser Umwälzungen gaben immerhin 56,8 Prozent an, die Arbeit der Polizei habe sich nicht verändert.
Dass dennoch in zwölf von 17 Gemeinden mehr Personen eine Verbesserung als eine Verschlechterung der Polizeiarbeit wahrgenommen haben, sei deshalb umso erfreulicher. Dennoch: ?Unser Ziel sei es, dass wir bei der nächsten Umfrage einen Wert über dem schweizerischen Schnitt erreichen?, sagte Blättler.
Überraschende Befunde nach Analysen
Die Ergebnisse der Umfrage wurden schliesslich durch die Kantonspolizei Bern vertieft analysiert, teilweise mit der Kriminalstatistik sowie den eigenen Erfahrungen verglichen und ergänzt.
Es zeigten sich teils überraschende Befunde, wie das Beispiel einer Agglomerationsgemeinde deutlich macht: Sie wies bei der Bevölkerungsbefragung eine ähnlich hohe Opferrate bei Raubdelikten auf wie grössere Städte. Die Kriminalstatistik bestätigte diese Zahl nicht.
Nach genauerer Analyse zeigte sich, dass die Bewohner der Agglomerationsgemeinde häufig in die nahe Stadt in den Ausgang gehen und dort Opfer geworden sind. ?Auf Grund der Befragung ein Ranking der Gemeinden zu machen wäre also völlig verfehlt?, sagte Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern und bei der Kantonspolizei verantwortlich für das Projekt.
Für die Polizeiarbeit und die Verbesserung der Sicherheit in den Gemeinden seien dies dennoch zentrale Befunde: Damit könne verstärkt präventiv auf mögliche Opfer eingegangen werden, beispielsweise wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Ausgang gehen.
Solche Schlüsse fliessen nun in die weitere Arbeit mit den Gemeinden ein, wie Manuel Willi weiter erklärte. Als Beispiel nannte er die Grosse Schanze in Bern, welche von der Bevölkerung als besonders unsicher wahrgenommen wurde, in Tat und Wahrheit aber auf Grund verschiedener eingeleiteter Massnahmen keinen eigentlichen Brennpunkt mehr darstellt.
?Hier müssen wir nun mit der Stadt Bern schauen, wie wir diesem Unterschied zwischen Wahrnehmung und Realität begegnen können?, sagte Willi.
Alle profitieren ? auch kleinere Gemeinden
?Wir seien sicher, mit diesen Umfragen und Analysen eine solide Basis für die weitere Zusammenarbeit mit den Gemeinden geschaffen zu haben?, sagte Kommandant Stefan Blättler zum Schluss des Point de Presse. ?Wir können damit den Bedürfnissen der Gemeinden und damit der Bevölkerung noch besser gerecht werden?.
Von den Arbeiten sollen übrigens nicht nur die Ressourcengemeinden profitieren, sondern alle Gemeinden des Kantons Bern. ?Die Ergebnisse fliessen überall in die Polizeiarbeit ein?, versicherte Blättler, ?beispielsweise auch in die Präventionsarbeit.? Denn eines müsse man sich bewusst sein: ?Sicherheit könne nur zusammen gewährleistet werden, ganz nach dem Motto .?
(mf)
Hinweis
Lokale Sicherheit ? bereits in den 90er-Jahren ein Thema
In den 90er Jahren verfolgte die Kantonspolizei Bern unter dem Label Sicherheitsmarketing einen problemlösungsorientierten Ansatz in der Lokalen Sicherheit.
Mitte des letzten Jahrzehntes war die Kantonspolizei eines der ersten kantonalen Polizeikorps, das die gemeinschaftsorientierte und bürgernahe Polizeiarbeit, auch unter der Bezeichnung Community Policing (CP) bekannt, konsequent umsetzte.
Verschiedene Zusammenarbeitsformen mit den Gemeinden
Die Kantonspolizei Bern stellt für alle Gemeinden Leistungen im Bereich Gerichtspolizei und die sicherheitspolizeiliche Grundversorgung sicher.
In bestimmten Fällen können weitere Leistungen vereinbart werden ? etwa zusätzliche Patrouillen. Dazu werden sogenannte Leistungseinkaufsverträge abgeschlossen.
Insbesondere grosse Gemeinden haben oft ein Interesse an einer noch weitergehenden Zusammenarbeit. Mit ihnen werden dann sogenannte Ressourcenverträge abgeschlossen.
Mit welchen Gemeinden gibt es Ressourcenverträge?
Die Kantonspolizei Bern habe aktuell mit 17 Gemeinden Ressourcenverträge abgeschlossen. Dies sind: Bern, Biel, Burgdorf, Interlaken, Köniz, La Neuveville, Langenthal, Lyss, Moutier, Münchenbuchsee, Nidau, Ostermundigen, Saanen, Spiez, Steffisburg, Thun, Zollikofen (Zollikofen und Münchenbuchsee haben gemeinsam einen Vertrag).
Mit diesen Gemeinden finden regelmässige Absprachen statt und die Gemeinden haben mehr Steuerungsmöglichkeiten, beispielsweise in Bezug auf die Schwerpunktsetzung. (pd)
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