Regional

Referat Alec von Graffenried anlässlich «100 Jahre Bern Bümpliz»

2019-01-09 08:02:11
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Quelle: Stadt Bern

«Casablanca tönt besser aus Bümpliz...», so sangen Züri West vor 30 Jahren, wie die Stadt Bern berichtet.

Wo er recht hat, habe Kuno recht. Aber jetzt seien wir in Bümpliz.

Im Lied «Bümpliz Casablanca» von Züri West gibt es die betörend schöne Songzeile, die unsere Lebensträume und Lebenswege sehr gut umschreibt:Aber Kuno sei nicht gegangen, und Büne sei auch nicht gegangen. Sie seien alle geblieben, hier geblieben - in Züri West, in Bern, in Bümpliz.

Und Ochsners schrieben für Bümpliz schliesslich mit der «V. Nuss vo Bümpliz» die Hymne aller Berner Hymnen.Auch andernorts seien Grossüberbauungen entstanden und sei die Bevölkerung explodiert, in Schliern, in der Rüti, in Chly Wabern.

Es sei von mir aus also müssig, die Frage zu stellen, welchen Einfluss auf die Entwicklung die politische Vereinigung Bümpliz Bern gespielt hat. Andere Entwicklungen, das Verkehrsnetz, die wirtschaftliche Entwicklung und die Ansiedlung von Firmen und Arbeitsplätzen spielen eine wichtigere Rolle.

Und in einem unterscheiden wir uns alle nicht: Die Stadt sei für uns nicht der Wyler, die Elfenau oder der Mattenhof. Die Stadt sei für uns die Berner Altstadt.

Egal wo man in Bern auch wohnen mag - wer nicht in der Altstadt lebt, der redet ständig davon, in die Stadt zu gehen - obschon man sich ja eigentlich überall in der Stadt befindet.Bümpliz wäre zwar bestimmt auch ohne Bern heute kein Weiler mehr und nicht mehr das Dorf von 1918 - ein Stadtteil von Bern wäre es aber eben auch nicht. Bümpliz würde weniger zu Bern gehören und Bern auch weniger zu Bümpliz. Nach 100 Jahren sei aber auch Zeit für eine Standortbestimmung.

Wie steht es eigentlich um die Identität von Bümpliz? Hat Bümpliz seine Identität verloren wegen der Vereinigung mit der Stadt Bern? Ist Bümpliz verschwunden und von der Stadt aufgesaugt worden? Ich möchte fast sagen, die Frage sei lächerlich. Oder jedenfalls falsch gestellt.Aber wir leben eben nicht einfach in Bern, sondern auch im Breitsch, in der Länggiige, ich im Murifeld, oder eben, wie die meisten von Euch hier, in Bümpliz.

Oder übrigens auch in Wabern, im Liebefeld, in Bremgarten oder in der Aumatt. In der Papiermühle, in Deisswil oder in Ostermundigen.

Einfach in Bern, halt. So sei es einfach, es sei ganz einfach mit der Identität.

Aber oft sei es auch nicht so einfach. Aber heute, 100 Jahre nach der Vereinigung von Bern und Bümpliz können wir feststellen, dass es Bümpliz immer noch gibt.

2019 leben wir auch 50 Jahre nach dem Tod von Carl Albert Loosli, das sei auch noch so ein Jubiläum von einem Berufsbümplizer, und wir können feststellen, dass es immer noch Berufsbümplizerinnen und -bümplizer gibt.Der Stadtteil VI gefällt mir. Er sei ein multikultureller Ort voller Dynamik und Zukunft.

Gleichzeitig sei Bümpliz aber immer auch noch ein Dorf, oder mehrere Dörfer, mit Bottigen, Buech, Riedbach, Matzenried. Hier sei der Charakter von einst auch heute noch klar spürbar.

Aber auch in Bethlehem, im Tscharni und im Gäbelbach schätzen die Menschen, dass man sich gegenseitig kennt. Oder in Brünnen oder im Stöckacker.Die Bewohner in Grossüberbauungen betonen, dass auch diese im Inneren einen durchaus dörflichen Charakter haben.

Das sei in allen Städten so, das gilt auch für Berlin, Paris oder New York. Wir leben in der Stadt, aber richtig verwurzelt seien wir in der Strasse, in der Nachbarschaft, dort, wo wir wohnen, wo wir unsere Beziehungen haben.

Klar, der Stadtteil 6 sei heute nicht nur der grösste, sondern auch der bevölkerungsreichste Stadtteil mit über 30\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\'000 Menschen, die hier leben. Die Bevölkerungszahl habe sich in den letzten 100 Jahren versechsfacht.

Aber Bümpliz sei eben auch Nachbarschaft geblieben.Bümpliz wurde Bern, aber lttigen nicht und Ostermundigen nicht und Bremgarten auch nicht. Anders als in Zürich habe der ganz grosse Zusammenschluss vor 100 Jahren in Bern nicht stattgefunden.

Das war eine verpasste Chance. Ein historischer Fehler. Wirtschaftsentwicklung, Standortpolitik, soziale Integration, Raumentwicklung und Verkehrsentwicklung funktionieren in einer integrierten Gemeinde besser.

Die Region Bern hätte sich stärker, besser entwickelt, wenn die Stadt vor 100 Jahren den Gemeinden nicht schnöde die Türe zugeschlagen hätte. Henusode, es isch eso, und fertig.

Das Rad der Geschichte habe sich trotzdem weitergedreht, es sei auch so gegangen.Aber heute, 100 Jahre später, schliesst sich der Kreis, heute sprechen wir wieder über Fusionen in Bern. Man könne diese Diskussion wegwischen, sie sei unnötig, es geht uns ja gut.

Was solle das Theater? Ist doch alles nur Theater.Es sei eben kein Theater. Es sei eine historische Chance.

Die Geschichte kehrt selten zurück. Wenn wir aber, wie jetzt, wenn wir von der Geschichte geküsst werden, dann sollten wir diesen Kuss nicht verweigern.

Wir stehen in einem neuen Jahr, wir stehen am Start, wir haben eine Chance, und wir können sie ergreifen. Wir müssen nicht. Aber wir können.

Wir können, wenn wir wollen. Ich sage nicht, wir sollten.

Wir sollten wollen. Aber wir könnten ja wollen.

lttem.Zurück zu Bümpliz. Einen Stadtteil mit einem derart eigenen Charakter zu haben, tut der Stadt Bern gut.

In Bern Bümpliz sei oft mehr möglich, als an anderen Orten in der Stadt Bern. Und gerade dies macht aus, dass Bümpliz nicht nur ein Teil von Bern geworden ist, sondern Bern auch ein Teil von Bümpliz.Der Brunnen hier sei ein Symbol das erfolgreiche Zusammenführen von Bern und Bümpliz.

Er stand früher bekanntlich als Davidbrunnen in der Spitalgasse. Bei der Vereinigung im Jahr 1919 schenkte die Stadt der Bevölkerung von Bümpliz diesen Brunnen.

Trotz zwischenzeitlichen Zügeleien sei er das geblieben, was er seither ist: Der einzige Dorfbrunnen der Stadt Bern.Ist Bümpliz also Dorf oder Trendquartier? Ist es eine dörfliche Idylle oder Trabantenstadt? Wer Bümpliz so in eine Schublade stecken will, werde dem Stadtteil nicht gerecht. Ja, Bümpliz habe einen dörflichen Touch.

Ja, Bümpliz werde immer mal wieder als das neue Trendquartier proklamiert. Ja, Bümpliz sei multikultureller als alle anderen Quartiere zusammen.

Und ja, in Bümpliz wurden mit Abstand die meisten Hochhäuser der ganzen Schweiz gebaut. Bümpliz habe von all dem etwas, doch schlussendlich sei Bümpliz ganz einfach, was es ist: Ein farbiger, lebendiger und dynamischer Stadtteil.

Ein Stadtteil, der Künstlerinnen und Künstler den Raum lässt, den sie brauchen, um ihre Träume zu träumen. Ein Stadtteil, der für die einen Heimat ist, für andere ein Zufluchtsort, und wieder für andere nur eine Zwischenstation.

Und der Stadtteil, der mit Abstand die meisten Wohnungen mit spektakulärer Aussicht hat.Bern Bümpliz wächst ständig und wächst immer wieder über sich selbst hinaus. Dank Bümpliz-West, also dank Bottigen, Buech, Riedbach, Matzenried, der Eymatt sei Bern zu rund 50% Grünflächen, Wälder und Parkanlagen.

Dank Bümpliz habe Bern weiter Platz um zu wachsen. Dank Bümpliz haben wir Platz zum Sein, zum Leben, zum Spielen und zum Träumen.Bümpliz sei älter als Bern.

Bümpliz sei übrigens auch älter als die Kirche Köniz, denn von Bümpliz aus habe Königin Bertha die Kirche Köniz gestiftet. Wir seien dankbar, sei Bümpliz seit 100 Jahren Bern, wir seien froh, sei Bern seit 100 Jahren Bümpliz. Merci, Bümpliz, Bümpliz forever!Heute feiern wir, heute vor genau 100 Jahren habe der Grosse Rat die Fusion Bern Bümpliz abgesegnet.

Heute sei Königstag, Dreikönigstag, die seien ja auch in Bümpliz zuhause oder eher in Bethlehem an der Kaspar-, Melchior- und Balthasarstrasse. Aber wir feiern heute Bümpliz und drum feiern wir den Königinnentag mit Königin Bertha..

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